In der Bundesliga

Saturday, November 05, 2011

Die Kunst des Comebacks: HSV erkämpft Unentschieden in Leverkusen


05.11.2011

Erneut früh in Rückstand, dieses Mal sogar mit 0:2. Doch der HSV beweist abermals große Moral und erkämpft ein verdientes Unentschieden im Auswärtsspiel gegen Bayer Leverkusen.
Hamburg – Schon in den beiden letzten Heimspielen musste nach einem frühen Rückstand eine leidenschaftliche Leistung her, damit der HSV am Ende nicht mit leeren Händen dasteht. So auch in Leverkusen. Nach 20 Minuten stand es 2:0 für die Gastgeber, die Zeichen standen nicht gut. In der fünften Minute erzielte Andre Schürrle einen abgefälschten Freistoßtreffer, 15 Minuten später konnte Lars Bender auf 2:0 erhöhen. Doch die Rothosen steckten nicht auf und fanden zurück ins Spiel. Einen hohen Freistoß von Dennis Aogo verwertete Kapitän Heiko Westermann zum 2:1 Anschlusstreffer. Das Team wurde stetig stärken, konnte noch vor der Pause scheinbar den Ausgleich erzielen, aber Schiedsrichter Kircher gab den Treffer nicht. Erst in der 58. Minute belohnte Marcell Jansen die Bemühungen der Hamburger und traf zum 2:2. In der Folge entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, was am Ergebnis jedoch nichts änderte. Es blieb beim 2:2 und beim Punktgewinn für die Hamburger.

Geteilte Freud

Hüben wie drüben sollte es ein Geschenk in Form von drei Punkten geben – nicht für den Gegner, sondern für zwei Fußballlegenden. Während die Werkself aus Leverkusen Rudi Völlers Vertragsverlängerung als Sportdirektor versüßen wollte, hatten die Rothosen einen Geburtstagswunsch zu erfüllen. Nämlich den von Uwe Seeler, der sich einen Auswärtssieg von „seinem“ HSV wünschte. Am Ende fuhren beide Mannschaften mit einem kleinen, aber feinen Präsent nach Hause.

Vor allem in der ersten Halbzeit sahen die 30.000 Zuschauer in der BayArena ein Spiel mit zwei Gesichtern. Bayer erwischte den besseren Start und der HSV blieb seiner Linie treu. Denn bereits nach fünf Minuten konnte André Schürrle den Ball im Tor des Gegners unterbringen. Dem Treffer vorausgegangen waren zwei unglückliche Aktionen: Gojko Kacar erwischte im Fallen seinen Gegenspieler, den darauf folgenden Freistoß fälschte Dennis Diekmeier unhaltbar für Torhüter Jaroslaw Drobny ab – 1:0 für Leverkusen.

Die Hausherren dominierten das Spiel nun und kamen zu mehreren Chancen. In der nächsten Viertelstunde wurde Lars Bender zum Schreckgespenst der Hamburger und bildete zusammen mit Michael Ballack, der im Mittelfeld die Bälle geschickt verteilte, den Dreh- und Angelpunkt des Spiels. Folgerichtig war er es, der auf 2:0 erhöhte. Ein abgefälschter Schuss des „Maskenmanns“ landete bei Schürrle, dessen Flanke den Zwilling am langen Pfosten erreichte. Und auch, wenn Heiko Westermann letzter Mann am Ball war, stand es nach 20 Minuten 2:0 für Leverkusen.
Ein Weckruf für das Team von Trainer Thorsten Fink. Nach einem Pass von Kacar tauchte erstmals Marcell Jansen im Strafraum frei vor Leno auf, der den Schuss jedoch abwehren konnte (23.). Noch stand Leverkusen stabil. Nach einem Ballverlust von Kacar hätte André Schürrle freistehend vor Drobny den Sack zumachen können, doch Diekmeier konnte den aufs leere Tor zurollenden Ball mit einer beherzten Grätsche klären.

Langer Ball bringt lang erhoffte Wende

Nach einem Foul an Guerrero fiel die Leverkusener Defensive. Der darauffolgende Freistoß von Dennis Aogo aus über 30 Metern landete an der Schläfe von Heiko Westermann, der den Ball ins kurze Eck lenken konnte – der Anschlusstreffer! Das 1:2 aus Hamburger Sicht gab das Selbstvertrauen zurück und läutete einen furiosen Schlussspurt der Rothosen ein. Hinten mit mehr Übersicht, spielten die Rothosen den Ball nun gezielt nach vorne, wo Töre nach einem Zuspiel von Son über den Kasten schoss (40.). Dann der vermeintliche Anschlusstreffer durch Marcell Jansen (41.): Der verwertete eine Flanke von Diekmeier, doch Schiedsrichter Knut Kircher sah die Situation anders. Zuvor soll Guerrero sich aufgestützt haben. Dann ist erstmal Halbzeit: Einmal kräftig durchatmen!
Zu Beginn der zweiten Hälfte machte der HSV dort weiter, wo er aufgehört hatte: vor des Gegners Strafraum. Die erste Chance war jedoch den Leverkusenern vergönnt. Ballack kann aus der Distanz abziehen, Drobny lässt den Ball vor die Füße von Stefan Kießling abklatschen, der zum Glück im Abseits stand (51.). In der nächsten Viertelstunde gab nur noch ein Team den Ton an: der HSV. Und der klang richtig gut: Gökhan Töre, wie auch in der Vorwoche nicht zu bremsen, leitete den Ausgleich ein. Mit einem gefühlvollen Heber bediente er Marcell Jansen, der in den Strafraum gestürmt  war und den Ball gezielt im langen Eck einschlagen ließ: Der verdiente Ausgleich!

Nachdem der HSV in den vergangenen drei Spielen jeweils einen Rückstand aufholen konnte, beweis das Team von Trainer Thorsten Fink auch heute wieder große Moral. Einen Freistoß aus großer Entfernung flankte Aogo an den Fünfer, wo Kießling, Kacar und Westermann sich gegenseitig niederrangen – Kirchner pfeift die Szene ab. Dieses Mal wiederum wachte die Werkself auf. Ballack setzte sich auf der linken Seite gegen Diekmeier durch, seine Flanke vergab der mittlerweile eingewechselte Derdiyok freihstehend vor Drobny.
Beide Teams drückten nun auf den Sieg, was sich in einem Zweikamp äußerte, bei dem sich Guerrero eine Wunde am Kopf zuzog. Trotzdem ging es weiter für den kämpferischen Peruaner. Die nächste Möglichkeit bot sich Schürrle, der nach einem Zuspiel von Ballack links am Tor vorbeischoss (74.). In der Schlussviertelstunde schwanden die Kräfte beider Teams, weshalb Fink sich für die Absicherung entschieden hatte. Robert Tesche und David Jarolim kamen für Kacar und Töre. Trotz geballter Defensive kamen die Rothosen noch einmal zu einer Chance: Auf der rechten Seite ging Diekmeier bis zur Grundlinie durch, legte den Ball flach an die Strafraumgrenze, wo Jansens Schuss geblockt werden konnte (90.). Die letzte Aktion eines Spiels, in der sich der HSV einen Punkt dank toller Moral hochverdient hatte, und Bayer sich bei einer Niederlage nicht hätte beschweren dürfen. So gab es Geschenke auf beiden Seiten – über die sich die Fußballlegenden sicherlich freuen.
Das Spiel im Stenogramm:


Bayer Leverkusen: Leno - Castro, Friedrich, Toprak, Kadlec - Bender, Rolfes (63. Derdiyok) - Sam (46. Reinartz), Ballack, Schürrle - Kießling
Hamburger SV: Drobny - Diekmeier, Mancienne, Westermann, Aogo - Rincon, Kacar (79. Tesche) - Töre (82. Jarolim), Jansen - Son (89. Skjelbred), Guerrero
Tore: 1:0 Schürrle (5.), 2:0 Bender (20.), 2:1 Westermann (34.), 2:2 Jansen (58.)
Zuschauer: 30.000
Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)
Gelbe Karten: Rincon, Reinartz, Derdiyok
Gelb-Rote Karten: - / -
Rote Karten: - / -

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