In der Bundesliga

Monday, August 04, 2008

„Der HSV wird immer in meinem Herz bleiben“

04.08.2008

Van der Vaart schaute sich ein letztes Mal im Stadion um.

Hamburg – Jetzt ist es amtlich. Rafael van der Vaart wechselt zu Real Madrid und wird bei den Königlichen einen Fünf-Jahresvertrag unterzeichnen. Nach drei sehr erfolgreichen Jahren bei den Rothosen geht damit nicht nur der Kapitän und ein Herzstück der Mannschaft, sondern auch ein sehr großer Sympathieträger in Reihen der Fans. hsv.de traf den "kleinen Engel" zu einem letzten exklusiven Interview, bevor sich der Niederländer am Abend nach Spanien verabschiedet. Dabei gab van der Vaart noch ein letztes Mal einen Einblick in seine Gefühlswelt und bedankte sich ausdrücklich für die Unterstützung der Fans.

hsv.de: Rafael, in der letzten Nacht haben sich die Verantwortlichen vom HSV und Real Madrid auf deinen Wechsel geeinigt. Du wirst beim spanischen Rekordmeister einen Fünf-Jahresvertrag unterschreiben. Wie geht es Dir im Moment und wie froh bist Du, dass jetzt endlich Klarheit herrscht?

Van der Vaart: Mir geht es ganz gut. Ganz spät heute Nacht wurde sich geeinigt. Es hat lange gedauert und war auch lange unsicher, aber jetzt ist alles geklärt. Darüber bin ich froh, aber auch ein bisschen traurig. Es war eine schöne Zeit. Wenn ich jetzt hierher komme, alles noch einmal sehe und mich verabschieden muss, dann ist das schon komisch.

Du hast immer betont, dass es Dein Traum ist, bei einem Verein wie Real Madrid zu spielen. Mit welchen Erwartungen gehst Du jetzt nach Spanien?


Van der Vaart: Ich hoffe, dass es so klappt, wie beim Wechsel zum HSV. Man muss natürlich wissen, dass es eine ganz andere Mannschaft ist. Es ist einer der größten Vereine der Welt und für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich möchte auch in Madrid viele Spiele bestreiten und wichtig für die Mannschaft werden. Das hängt natürlich mit der eigenen Leistung und mit dem Erfolg des Vereins zusammen. Ich freue mich darauf.

In den letzten Tagen hast Du sehr angespannt gewirkt. Hat sich das jetzt gegeben?


Van der Vaart: Ich bin immer noch angespannt. Da kommen so viele neue Sachen auf mich zu. Ich werde heute noch nach Madrid fliegen, morgen ist dann der Medizincheck und die Präsentation. Das sind alles schöne Dinge, doch ich bin natürlich sehr aufgeregt.

Am Wochenende konntest Du Deine neuen Mitspieler beim Emirates Cup hautnah bewundern. Hattest Du vorher schon Kontakt beispielsweise zu deinen niederländischen Kollegen und gab es in London schon den einen oder anderen Flachs in Deine Richtung?


Van der Vaart: Ich haben natürlich oft darüber geredet, zum Beispiel mit Wesley Sneijder, aber es ist etwas anderes, wenn man sich im Stadion trifft. Da haben sie schon ein bisschen Spaß gemacht: Komm hier lang oder lauf in unsere Kabine. Aber ich war noch HSV-Spieler und so habe ich mich auch verhalten. Ich wusste, dass die Vereine in Gesprächen standen.

Bernd Hoffmann hat sich als knallharter Verhandlungspartner erwiesen. Wie hast Du das hin und her in den letzten Tagen erlebt?


Van der Vaart: Es hat sich eine Spannung aufgebaut. Es war mein absoluter Traum und ein großes Ziel in meiner Karriere, zu Real zu gehen. Hoffmann hat natürlich, so wie wir ihn kennen, knallhart verhandelt. Aber der HSV hat sein Geld ja auch verdient.

Beim Emirates Cup bist Du nicht mehr zum Einsatz gekommen. Viele Fans waren über diese Entscheidung verärgert. Kannst Du das nachvollziehen?


Van der Vaart: Das war eine gemeinsame Entscheidung mit dem Trainer. Ich hatte so viele Sachen im Kopf. In dieser Verfassung hilfst du der Mannschaft nicht. Natürlich sagen auch viele, warum will er weg, wieso zu Real? Aber wenn jeder in sein Herz schaut, ist es für jeden ein Traum, für so einen Verein zu spielen.

Du kannst auf drei wunderbare und erfolgreiche Jahre beim HSV zurückblicken. Was nimmst Du aus dieser Zeit mit?


Van der Vaart: Es war ohne Frage eine super Zeit. Es war die beste Entscheidung in meiner Fußballerkarriere, nach Hamburg zu kommen. Ich habe drei wundervolle Jahre erlebt, viel Liebe erfahren, viele schöne Momente genossen. Es gab Höhepunkte und auch Tiefpunkte, aber die Fans waren immer da, das war das Größte. Wenn man alleine hier ins Stadion blickt, dann weiß man das.


Auch Deine Frau hat sich in Hamburg sehr wohl gefühlt. Dazu ist Dein Sohn hier geboren worden. Gehen die beiden mit nach Madrid?


Van der Vaart: Die beiden kommen heute Abend erst einmal mit. Sylvie wird aber in ein paar Tagen zurückkehren, da sie arbeiten muss. Aber sie werden beide nach Madrid ziehen, um mich zu unterstützen.

Jetzt heißt es Abschied nehmen. Gehst Du mit einem lachenden und einem weinenden Auge und gibt es noch etwas, dass Du den Fans sagen möchtest?


Van der Vaart: Es tut mir auch weh, wegzugehen. Gerade, wenn ich an die Fans denke. Sie haben mich immer unterstützt, auch in schweren Zeiten, gerade bei der Valencia-Geschichte. Ich hatte jedes Mal Gänsehaut, wenn ich hier gespielt habe. Wenn man geht, ist es natürlich leicht zu sagen, der HSV wird immer in meinem Herz bleiben, aber es ist wirklich so und soll auch so bleiben. Ich denke, wir werden uns wiedertreffen, vielleicht als Trainer oder als Spieler, aber sowieso als Fan. Ich kann nur sagen: Vielen Dank für alles!

Wir möchten uns auch bedanken und wünschen dir und deiner Familie auf deinem weiteren Weg viel Erfolg.

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